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Bücher / Hörbücher
Frauenbuchtipp
erschienen in der "Rheinfall-Woche", am 15. März 2007
Autobiographischer Text,
der berührt
krf. Was sie in Vancouver erlebt hat, packt Lisa Borg in Gedanken in eine Tasche und stellt diese weg - zwanzig Jahre lang. Sie schafft es nicht, über das Vorgefallene zu sprechen. Erst als das Schweigen unerträglich wird, schreibt sie sich den ganzen Alptraum innert kurzer Zeit von der Seele. Entstanden ist das knapp 500 Seiten starke Buch "Die Tasche aus Vancouver".
Konfrontiert mit Gewalt
Zwar ist nicht alles, was die junge Schweizerin in Kananda als Au-pair-Mädchen erlebt, traumatisch. Lisa erfährt auch, was wahre (Gast-)Freundschaft bedeutet, und sie trifft ihre erste grosse Liebe: Josh. Doch gleichzeitig widerfährt ihr das Schlimmste, was einer Frau passieren kann: Sie wird vergewaltigt und verletzt. Nur knapp entkommt sie dem Tod. Schwer trägt sie an den Folgen dieses Verbrechens.
Ohne Josh hätte sie den Lebensmut verloren. Er und sein Freundeskreis sind in einer bewundernswerten Art und Weise für Lisa da, helfen ihr jederzeit geduldig und stützen sie, wenn sie glaubt, das Schlimme nicht mehr zu ertragen. Langsam findet sie einen Weg zurück ins Leben, schmiedet mit Josh gar Zukunftspläne. Doch noch einmal schlägt das Schicksal erbarmungslos zu.
Autorin stammt aus Beringen
Tagebuchartig und sehr detailliert erzählt die Autorin von den Höhen und Tiefen, durch die sie während des sechsmonatigen Aufenthaltes in der Fremde gegangen ist. Man kann sich dem Erzählfluss kaum entziehen, und betroffen und berührt begleitet man Lisa auf ihrem schwierigen Weg. Die Lesenden werden dabei Zeugen von manch Persönlichem. Oft kommt man sich wie ein Voyeur vor und fragt sich bisweilen, ob man als Aussenstehende alles wissen möchte.
Es wird aber während der Lektüre schnell klar, dass es wichtig war, nicht nur das Verbrechen, sondern auch die Vorgeschichte und die Zeit danach minutiös aufzurollen. Nur so ist es dem Opfer möglich, das Unbeschreibliche zu Papier zu bringen und das Geschehene zu verarbeiten. Gleichzeitig möchte die Autorin, die aus Beringen stammt und für ihr Buch ein Pseudonym gewählt hat, Frauen in gleichen Situationen ermuntern, aus dem Schatten zu treten und über ihr Schicksal zu berichten.
Die Tasche ist ausgepackt. Lisa Borg hat es geschafft, das Verdrängte aufzuarbeiten. Dieser couragierte Schritt macht hoffentlich vielen Betroffenen Mut, in ähnlicher Weise über Unsagbares zu sprechen.
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