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Schneller, Pussykatze! Töte! Töte!
Gebäck im Getriebe: Richard Brautigans den amerikanischen Lebensstil persiflierender Underground-
Im klassischen Krimi gibt es die Leiche ja meist gleich am Anfang. So zieht den Leser die spannende Frage durchs Buch: Wer hat den Mord begangen? Und warum? In einer Krimiparodie kann sich der Autor den Mord getrost bis zum Schluss aufsparen, denn hier geht es um Überzeichnungen und komische Elemente. So hat es auch Richard Brautigan, der 1984 im Alter von neunundvierzig Jahren verstorbene Hippie unter Amerikas Schriftstellern, bei "Willard and his Bowling Trophies" gehalten, seinem 1975 verfassten "Perverse Mystery", das jetzt unter dem Titel "Willard und seine Bowlingtrophäen" in einer neuen Übersetzung vorliegt. Darin sterben Constance und Bob, ein bedauernswertes Paar aus San Francisco, deren kompliziertem Sexleben wir bis dahin beiwohnen müssen, erst auf den letzten Seiten. Und wir kennen sofort den Täter.
Geschossen hat einer der drei Logan-
In der Wohnung unter ihnen schalten John und Patricia zum Einschlafen gern die "Johnny-
Der dritte Schauplatz ist ein schäbiges Hotelzimmer, in dem die drei Brüder auf einen heißen Tipp bezüglich ihrer Trophäen warten. Diese Szenen haben durchaus etwas von Becketts "Warten auf Godot": Der eine Bruder trinkt Dosenbier, der zweite liest ein Comicheft, und der dritte bereitet sich gedanklich auf den Telefonanruf vor. Doch das Telefon bleibt stumm. Sozialkritik? Formexperiment? Klamauk? Porno? Bei Brautigan gab es diesbezüglich nie eine klare Trennung, und so ist "Willard" alles zugleich. Das schmale Buch ist uns seit langem in der Übersetzung von Günter Ohnemus bekannt, der es 1981 in seinem eigenen Kleinverlag herausbrachte. Ohne Ohnemus, Fürsprecher, Agent und Übersetzer des Autors (ähnlich wie Carl Weissner im Falle Charles Bukowskis), hätten wir von dem kauzigen Amerikaner mit dem Mark-
Im Jahre 1990 war der "perverse Kriminalroman" -
Wo Brautigan "carefully looking away" schreibt, greift Bergfeld zu einem gestelzten "ostentativ wegsehend". Hätte Brautigan die Sorgfalt betonen wollen, hätte er wohl "pointedly" geschrieben. Bergfeld schiebt das Fremdwort gleich dreimal hintereinander ein. Dann wieder holpert das Deutsch: "Sie ging an den Herd und stellte Teewasser auf." Teewasser sollte man schon "aufsetzen", wie es Ohnemus getan hat.
Ein anderes, drastischeres Beispiel aus dem zweiten Kapitel, das mit "Die Geschichte der O" überschrieben ist. Im Original heißt es: "Usually, she would jack him off or orally copulate him and he would very carefully, like cutting a diamond, clitorally masturbate her until she came." In Ohnemus' Fassung liest sich das so: "Normalerweise holte sie ihm einen runter oder befriedigte ihn oral, und er masturbierte sehr vorsichtig, als würde er einen Diamanten schleifen, ihre Klitoris, bis sie kam." Bei Bergfeld heißt es nun: "Meist hobelte sie ihn oder verkehrte mit ihm oral, und er polierte sie klitoral mit der Hingabe eines Diamantenschleifers, bis sie kam." Da ist einfach zu viel Handwerksarbeit im erotischen Spiel und ein störender Wechsel von der Holz-
Sicher: Bei jeder Übersetzung fliegen Späne. Umso wichtiger ist es, die Wortdiamanten des Autors so lange zu polieren, bis sie auch in der Zielsprache glänzen. Die ursprüngliche Farbe sollte sich dabei nicht verändern.
REINHARD HELLING
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Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung
10.7.2008